Die
Alte Kirchspielvogtei wurde ein Jahr nach dem großen Brand von 1736 erbaut.
Von 1793 bis zur Pensionierung des Kirchspielvogts Johann Jakob Mohr im Jahr 1858
diente sie als Wohnhaus und Amtssitz der Kirchspielvögte. Von hier aus begann
der große Brand im Jahr 1736. Das Feuer breitete sich rasch aus, erfasste
den hölzernen Glockenturm auf dem Nachbargrundstück, und bald standen
die Häuser um den Marktplatz, in den benachbarten Straßen und auch
die Kirche in Flammen. Drei Stunden später lag der größte Teil
Wesselburens in Schutt und Asche. 1949
kaufte die Stadt Wesselburen das Gebäude. Bereits drei Jahre später
konnte das Hebbel-Museum in diesem Haus neu eröffnet werden. Seit seiner
Gründung im Jahr 1911 befand es sich im Obergeschoss des Hebbelhauses in
der Süderstraße, einem Haus, das in keiner Beziehung zu dem Dichter
stand. In der Alten Kirchspielvogtei hatte Friedrich Hebbel sieben Jahre lang
gelebt und gearbeitet. Die Ausstellung im Erdgeschoß zeigt in zehn Räumen
Leben und Werk des großen Dramatikers. Kindheit und Jugend werden im Wesselburener
Zimmer und im nachgebauten Geburtszimmer gegenwärtig. In der Schreiberstube
führte Hebbel das Protokollbuch der Kirchspielvogtei. Hier entstanden auch
erste Gedichte. Beeindruckend ist der karge Alkoven unter der Bodentreppe, dessen
Enge der junge Hebbel beim Schlafen noch mit dem Kutscher teilen musste. Die entbehrungsreichen
Jahre in Hamburg und auf Reisen sind in zwei weiteren Räumen dokumentiert.
In dieser Zeit sind die Dramen "Judith", "Genoveva" und das
heute noch am meisten gespielte bürgerliche Trauerspiel des Dichters "Maria
Magdalena" entstanden. Das
Wiener Zimmer zeigt die vielfältigen Beziehungen mit bedeutenden Persönlichkeiten,
die Friedrich Hebbel nach seiner Hochzeit mit der Burgschauspielerin Christine
Enghaus von Wien aus pflegte. In der alten Kaiserstadt kam er zu Ruhm und Ansehen.
Hier entstanden die Dramen "Herodes und Marianne", "Agnes Bernauer",
"Gyges und sein Ring" und die "Nibelungen", für die Hebbel
kurz vor seinem frühen Tod mit dem Schiller-Preis ausgezeichnet wurde. Das
Handschriften-Zimmer kann als die Schatzkammer des Museums bezeichnet werden.
Eine Auswahl an Original-Handschriften gibt einen Einblick in die Korrespondenz,
die der Dichter mit vielen seiner Zeitgenossen geführt hat. Das Wiener Wohnzimmer
schließlich vermittelt einen Eindruck von der Wohlhabenheit des Ehepaars
Hebbel. Hier findet der Besucher wertvolle Möbel, Bilder und Gebrauchsgegenstände
aus der Wohnung in Wien und aus dem Sommerhaus in Gmunden am Traunsee. In
den 90 Jahren seines Bestehens hat sich das Museum nicht nur zu einer repräsentativen
Gedenkstätte, sondern auch zu einem Anlaufpunkt für Hebbel-Forscher
aus aller Welt entwickelt. Die Bibliothek im Obergeschoß umfasst ca. 6000
Titel. Im Zeitungsausschnittarchiv werden seit Bestehen des Museums Zeitungsartikel
über Hebbel aus dem deutschsprachigen Raum gesammelt. Wissenschaftlern stehen
Arbeitsplätze in der Bibliothek und im Gastwissenschaftler-Zimmer zur Verfügung.
Im Jahr 1926 wurde die Hebbel-Gesellschaft gegründet. Sie unterstützt
das Museum, fördert die Hebbel-Forschung und belebt durch die jährlichen
Tagungen in Wesselburen die Beschäftigung mit dem Dichter. Die seit 1939
erscheinenden Jahrbücher dokumentieren diese Arbeit. |